M/A
01 | 2025
13/25
© Ford

Alte Modellbezeichnungen erleben Renaissance

Wo ein Ford Capri ist, da ist der Manta nicht mehr weit

von Klaus Schmidt 

Früher war alles besser. Weiß doch jedes Kind. Kein Wunder also, dass die Marketingstrategen der Automobilhersteller tief in die Trickkiste greifen, um mit alten Modellbezeichnungen jene unbeschwerte Zeiten aufleben zu lassen, in denen das Auto der Liebling aller Menschen war, die Wirtschaft boomte und Kriege in Europa unvorstellbar schienen.Das Label Capri ist wohl vor allem deshalb Jahrzehnte nach seinem Ableben aktuell auf Fordmodellen zu finden. Ford liegt damit voll im Trend: Renault hat den R5 wiederentdeckt und die Wiedergeburt des R4 angekündigt, Opel bastelt an einem Manta und Citroen, wie Opel Teil der Stellantis-Guppe, spielt mit der Wiedergeburt des 2CV, der Ente, wie sie im Volksmund noch immer heißt. Unsterblich, wie sonst nur der Käfer. Die automobile Gegenwart wird geprägt durch eine Renaissance früherer Modellbezeichnungen aus den im Rückblick goldenen 1970er und 1980er Jahren. Doch Vorsicht. Wer jetzt die Chance wittert, das Lebensgefühl jener Zeit noch einmal zu „erfahren“, muss auf Mogelpackungen gefasst sein. Marketing-Experten verkaufen Illusionen, keine Versprechen.

Wie extrem die Unterschiede zwischen Erwartung und Wirklichkeit sein können, zeigt Ford mit dem Capri. Da prallt die Erinnerung an ein zweitüriges, knapp geschnittenes Coupé in der Realität auf ein ausgewachsenes SUV. Kein schlechtes Auto. Nur ist die die einzige Verbindung zwischen den Namensvettern die Ford-Pflaume, das Logo, und die stille Hoffnung der Marketing-Leute, dass das Retro-Konzept dabei hilft, Emotionen und Erinnerungen bei Kunden zu wecken und eine starke Markenidentität zu schaffen.

Diese Interpretation ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern eine Antwort von Meta AI. Die deckt sich mit meiner Auffassung. In anderen Punkten erwies sich die Recherche der künstlichen Intelligenz allerdings als so dürftig, dass wir noch ein bisschen auf die Überlegenheit der menschlichen Rasse hoffen dürfen. Bis es soweit ist, beschäftigen wir uns noch einmal mit den beiden so unterschiedlichen Fords (Mehr dazu lesen Sie im Bericht: Der Capri – der in Blech modellierte Sehnsuchtsort).

Dass einem Neuanfang durchaus der Zauber der Vergangenheit inne sein kann, beweist Renault mit dem R5. Der hört jetzt auf den Namen R5 E-Tech, zitiert geschickt Styling-Elemente seines Vorläufers und überwältigt seine Passagiere mit einem Interieur in einem schrillen Farbmix. „We all live in a yellow submarine!“ Dieser R5 E-Tech ist optisch mehr 1970er Jahre, als es sein Vorgänger je war. Aber der verkörperte ein neues Lebensgefühl, Lebensfreude und Aufbruchstimmung im Original, auch ohne psychedelische Einflüsse. Er war, und das haben viele Menschen auch heute nicht vergessen, mehr als nur ein zuverlässiger Begleiter: Er war „der kleine Freund.“ In der Werbung und im wahren Leben.