M/A
01 I 2023
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von Achim Stahn 

Dieser Titel passt zur Geschichte der Kultmarke hervorragend, denn 120 Jahre sind für die USA schon eine lange Zeit. Hinterhof-Holzschuppen passt ebenfalls zu Amerika, dort und in Garagen entstanden schon etliche Erfolgsgeschichten, die wir heute schätzen. 

Holzhütte in schwarz-weiß.

Die ersten drei Motorräder entstanden 1903 in Milwaukee in einem eher schäbigen Schuppen, in dem die Luft jedoch voller Tatendrang kochte. William Harley und die drei Davidson-Brüder William A., Arthur und Walter waren wie viele damals voller Hoffnung, am Ende überlebten sie alle aus jener Zeit bis heute. Kein anderer Hersteller hat ohne Unterbrechung so lange eigene Motorräder produziert.

Aus den ersten Modellen mit einem Zylinder wurden schon 1909 stärkere, kompakt bauende 45°-V-Twins. Auf den riesigen Flächen der USA galt es damals auch auf besseren Feldwegen problemlos gewaltige Entfernungen zurücklegen zu können, mit einer Harley-Davidson klappte das hervorragend. Der Ruf in Sachen Zuverlässigkeit war gut und wichtig zugleich. Damit auch jeder davon erfuhr, gab es seit Mitte der 1910er Jahre ein Werksrennteam, genannt Wrecking Crew. Bikes wie der 180 km/h schnelle Eight-Valve Racer fuhren die Konkurrenz sprichwörtlich in Grund und Boden. Auch deshalb stieg die Nachfrage enorm an, binnen 17 Jahren wurde aus dem kleinen Betrieb in Milwaukee der weltweit größte Motorradhersteller. Die dazugehörigen Fabrik wurde übrigens unweit des Holzschuppens an der heutigen Juneau Avenue in Milwaukee gebaut. 

 Der Urahn wird geboren

1936 lief dort der Urahn moderner Harleys vom Band: die komplett neu entwickelte E. In einer Zeit, als sich auch anderswo in der Welt nach einer Weltwirtschaftskrise mutige Zeitgenossen auf neue Wege machten. Magnetband und Zippo kommen auf den Markt, die erste Hitparade der beliebtesten Songs steht im Magazin Billboard, in Deutschland startet die Hindenburg zur Jungfernfahrt, in England die Queen Mary erstmals über den Atlantik. 

Weil die Form der Kipphebelgehäuse des V2 an die Knöchel einer geballten Faust erinnern, war schnell ein Spitzname geboren „Knucklehead“. Übersetzt steht dieses Wort allerdings nicht nur für Knöchel-, sondern auch für „Schwachkopf“. Egal, jeder wusste was beim passenden Typ gemeint war. Für knapp 400 Dollar gab es einen richtig coolen Look, bis 40 PS und rund 145 km/h Höchstgeschwindigkeit. Zum Vergleich: Für ein Brot waren acht Cent, eine Gallone Sprit kostete zehn Cent, ein Durchschnittshaus etwa 24 Dollar Monatsmiete.

Schwarz-Weiß Fotografie mit vier Männern in Anzügen stehend um ein Motorrad. herumBis heute ist der Knucklehead-V2 ist der Urahn aller Harley-Motoren. Mit den grundsätzlichen Konstruktionsprinzipien wie Zylinderzahl und Zylinderanordnung oder Art der Kühlung und Ventilsteuerung. Das ist noch heute im Prinzip so, natürlich immer an die Erfordernisse der jeweiligen Zeit angepasst.  

Mit dem Milwaukee-Eight und dem Revolution Max werden aktuell zwei unterschiedliche Motorenkonzepte gefertigt: 

  • luftgekühlter 45°-V2 mit flüssigkeitsgekühltem Auslassbereich
  • flüssigkeitsgekühlter 60°-V2 

Der Hubraum reicht von 975 bis 1923 Kubikzentimeter, bis 152 PS leisten die Motoren Hinteransicht eines Motorrads in einer Berglandschaft.Trotz Retro-Optik sind natürlich moderne Technik wie elektronische Assistenzsysteme, Bluetooth-Handyanbindung und modernstes Infotainment auch hier an Bord.

Schwarzes Fahrrad und rotes Motorrad auf einer Straße.