M/A
02 | 2023
19/32

Ein MINI gibt den Vogel

Dierk Mengers verleiht einer Ikone Flügel

© Klaus Schmidt

von Klaus Schmidt

Er ist an Automaßstäben gemessen nur mini, aber trotzdem ein ganz Großer: Der BIG BIRD, mit dem sich der Oldenburger Mini-Experte Dierk Mengers jetzt mit 84 Jahren einen seit Jahrzehnten gehegten Traum erfüllt, ist seine Reminiszens an den legendären “Gullwing“, dem Mercedes Flügeltürer. Und er ist eine Verbeugung vor Sir Alex Issigonis, dem Vater des Mini. Mit dem BIG BIRD erweitert der in der Szene als Mini-Papst bekannte Oldenburger die Mini-Geschichte um ein weiteres Kapitel.Klein, schnell, wendig und mit einer Türkonstruktion, die in ihrer schlichten Eleganz der Tradition des adeligen Mini-Schöpfers folgt, ist der Mengers BIG BIRD ein exklusives Auto, das den Charme des Ur-Minis in die heutige Zeit transportiert. Auf den ersten Blick sieht man die Unterschiede nicht - solange der BIG BIRD die Flügel geschlossen hält. Offen wird er zum filigranen Kunstwerk. Aber eines, dass gierig auf den Einsatz wartet. Dann verleihen die 130 PS des implantierten Lupo GTI-Triebwerks dem knapp unter 800 Kilo wiegenden BIG BIRD wirklich Flügel. Aber Semi-Slicks und ein ausgeklügeltes Fahrwerk sorgen durch extreme Bodenhaftung dafür, dass der Flügelmini nicht abhebt. Dafür hat Mengers das Bremssystem aufwendig überarbeitet. Die gewählte innenbelüftete Vier-Kolben-Bremsanlage aus dem Metro-Turbo liefert ein eindrucksvolles Beispiel für negative Beschleunigung. Es fühlt sich sprichwörtlich so an, als wenn man den Anker wirft.  Dass der Mini Go-Kart kann und der BIG BIRD diese Spielart noch ein bisschen besser beherrscht, überrascht nicht wirklich. Aber wie steif die bis in die Dachflächen aufgeschnittene Karosse des BIG BIRD extreme Querbeschleunigung und holprige Feldwege wegsteckt, muß man erlebt haben, um es zu glauben. Da kommt die ganze Erfahrung der Oldenburger Mini-Manufaktur zum tragen, die bisher zehn eigene Modellreihen auf der Basis des Ur-Minis realisierte - vom Viertürer bis zum Dreiachser reicht die erstaunliche Bandbreite.

Das äußere Erscheinungsbild des Mengers BIG BIRD ist jedenfalls einziges Kompliment an seinen Schöpfer. Dem Oldenburger gelangen selbst tiefgreifende Veränderungen am Blech, ohne den Charakter der Ikone anzutasten. Erst der direkte Vergleich mit dem Ur-Mini offenbart den ganzen Umfang der äußeren Modifikationen: Front- und Heckscheibe sind weniger steil geneigt und unterstreichen im Zusammenspiel mit der um fünf Zentimeter abgesenkten Dachlinie die sportliche Note des BIG BIRD. Mit geöffneten Türen, den Schwingen eines Vogels gleich, wirkt er wie ein filigranes Kunstwerk.

Eine unvergleichlich ästhetische Linie, der sein Konstrukteur auch praktische Vorteile attestiert. Dazu gehören ein leichterer Einstieg, sowie ein geringerer Seitenabstand beim Parken. Außerdem kann man bei Regen trockenen Fußes aussteigen, geschützt durch die hochschwingende Tür. Natürlich verbessern die niedrige Dachlinie und der geringere Neigungswinkel der Frontscheibe auch die Aerodynamik mit positiven Auswirkungen auf Verbrauch und Fahrleistungen.

Wer mit dem Nachbau dieses Liebhaberstücks liebäugelt, das auch voll elektrisch mit bis zu 300 PS samt Deutscher Zulassung gebaut werden könnte, muss rekordverdächtige Preise einkalkulieren. Wohl ein Mehrfaches dessen, was die Schwaben in den 1950er Jahren für den Gullwing, die Möwenschwinge, aufriefen, die die Begriffe Rennwagen, Luxus und Statussymbol neu definierte.

Das macht der BIG BIRD irgendwie auch. Zumindest im Mini-Kosmos!